Arbeitnehmerdatenschutz: Tiefe Einblicke in die Belegschaft

Arbeitgeber können mit neuester Analysesoftware die kompletten innerbetrieblichen Kommunikationsbeziehungen – den Enterprise Social Graph – auswerten. Wie sich die gläserne Belegschaft verhindern lässt, zeigt das umfangreiche Titelthema der »Computer und Arbeit« (CuA) 5/2016.

In die Belegschaft hineinhorchen, Schlüsselstellungen erkennen, Meinungsführer und Cliquen identifizieren, die Arbeitsweise der Beschäftigten und ihre Beziehungen untereinander offenlegen – das sind keine Zukunftsfantasien durchgeknallter Arbeitgeber. Das ist bereits Realität. Die Software dazu ist serienreif – beispielsweise das Analysetool “Delve”, das im Office365-Paket von Microsoft steckt. Es handelt sich nicht – wie Arbeitgeber oft beschwichtigend meinen – um harmlose Suchtools, die lediglich das Auffinden von Dateien und Dokumenten erleichtern. Es sind hoch leistungsfähige Programme, die genaueste Auswertungen ermöglichen.

Nächste Runde der technischen Entwicklung gestalten

Doch die betriebliche Interessenvertretung kann der Auswertung der riesigen Datenberge in den Unternehmen auch in Zeiten von Social Media und Big Data einen Riegel vorschieben. Der Datenschutz hilft ihnen dabei. Zentrale Hebel sind die Zweckbindung der Daten und die Zugriffsberechtigung auf die Datenberge. Aber auch durch den § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG zu Leistungs- und Verhaltenskontrollen hat die Mitbestimmung den Fuß in der Tür.

Vor allem hat die Belegschaftsvertretung darauf zu achten, dass sie solche Systeme und deren Auswertungsmöglichkeiten nicht noch durch den Abschluss von Betriebsvereinbarungen legitimieren. Denn diese sind nach § 4 BDSG als andere Rechtsvorschrift eine datenschutzrechtliche Erlaubnisnorm.

Quelle: © bund-verlag.de (ol)

SeminarTipp
Der gläserne Arbeitnehmer – Datenschutz im Unternehmen
vom 05.11.2017 bis 10.11.2017
im Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrum, Bad Münder

 

Bildquelle: